Die Bildungssituation in Thüringen - ein Handlungsbedarf besteht jetzt


In PISA Studien wird in Deutschland immer wieder das Thema Bildung aufgeworfen. Schlecht sei man hier aufgestellt und müsste handeln. Doch um etwas zu verbessern, müsste man an vielen Punkten ansetzen. In Erfurt und auch in ganz Thüringen sind wir momentan auf dem Weg unsere Bildung in einen Abgrund zu führen. Nachdem die letzten Bildungsminister der CDU die Lehrereinstellung und die Verbesserung der Schulsysteme mehrfach ignoriert haben, schließt sich unser jetziger Bildungsminister Matschie diesem System an. Große Ideen, wie die Gemeinschaftschule werden den allgemeinbildenden Schulen aufgedrückt, ohne Lehrpläne bereitzustellen. Die Sanierung und erweiterte technische Ausstattung der Schulen geht nur sehr langsam voran und in der Hochschulbildung wird gekürzt, wo es nur geht.

Währenddessen läuft in der Lehrerausbildung an den Universitäten so ziemlich alles schief. Dem Wunsch einzelner Professoren, nach der Verwissenschaftlichung der Lehramtsausbildung wurde stattgegeben. Die Ausbildung erfolgt zum Großteil theoretisch mit wenigen Praktika, bei welchen die Schulen auch noch zum großen Teil alleine gelassen werden. Praxisnahe Lehramtsausbildung ist hierbei so gut wie gar nicht vorhanden. Gründe für dieses Ausbildungssystem liegen auch in der Einführung von BA-MA-System für die Lehrerausbildung. Dadurch wurde ein komplett theoretisches Bachelorstudium eingeführt, welches Fachwissenschaft im Übermaß vermittelt und durch ein theoretisches Masterstudium in Pädagogik fortgesetzt wird. Konkrete Hilfestellungen in pädagogischer oder psychologischer Praxis sucht der Lehramtsstudent vergeblich.

Mit der Eingliederung von verhaltensauffälligen und behinderten Kindern in die thüringer Schulen wurde ein weiteres Problem für die Lehrer und Lehramtsstudenten geschaffen, auf welches aber auch in der Ausbildung nicht reagiert wird. So wäre eine vermehrte Vermittlung von sonderpädagogischen Kenntnissen zwingend notwendig, doch davon ist wieder einmal im Ausbildungsprogramm der Universität nichts zu finden.
Hinzu kommt, dass für eine Umsetzung der vielen Punkte, welche Herr Matschie in seiner neue ausgearbeiteten und von vielen Lehrern kritisierten Schulordnung angebrachten Veränderungen, nur mit einer erhöhten Einstellung von Lehrkräften möglich wäre. Doch gerade auch hier wird von Seiten der Landesregierung gegengearbeitet. Aktuell müssten ca. 2500 neue Lehrer bis zum Jahre 2014 eingestellt werden, damit das momentane Lehramtskollegium ersetzt würde. Was vielen nämlich nicht bekannt ist, unser Lehrerkollegium ist völlig überaltert. Thüringen hat eine Altersstruktur von 50,7 Jahren, Tendenz steigend. Um als noch mehr Lehrer für die Umsetzung der neuen Schulordnung zu haben, müssten wohl sogar noch mehr als 2500 Lehrer eingestellt werden. – Die unlogische Konsequenz der Landesregierung, es werden nur sehr wenig neue Lehrer eingestellt, ein für mich unerklärliches Handeln.

Wie soll also in solchen Zeiten ein junger, motivierter Mensch noch vernünftig den Lehrerberuf ergreifen oder gar später in den Beruf einsteigen können. Thüringen steuert im Moment auf einen gigantischen Lehrernotstand hin und blockiert sich selbst in der Lehrerausbildung, hinzu kommt in Städten, wie Erfurt, dass Schulen stark sanierungsbedürftig sind und die Auststattung zumeist recht dürftig ist.
Wenn uns unsere Zukunft, unsere Kinder und deren Bildung auch nur ein kleines bischen am Herzen liegt, dann sollte nun gehandelt werden. Die Politik sollte jetzt eine Wende starten, nur dann kann man den begonnenen Schaden so gering, wie nur möglich, halten. Es sollte endlich langfristig gearbeitet werden und nicht nur, wie in den letzten Jahren üblich, bis zur nächsten Landtagswahl. Läuft alles so weiter, wie bisher, sehe ich schwarz für die Zukunft unserer Bildung und damit für die Zukunft Thüringens.